EU-Beitritt der Türkei: Überraschende Wendung

Über den EU-Beitritt der Türkei wird schon seit Jahren gesprochen. Das Land ist seit 1999 offizieller Beitrittskandidat und hat enge Beziehungen zu vielen EU-Ländern aufgebaut – darunter auch Deutschland. Aus diesem Grund kommt die jüngste Aussage von Präsident Recep Tayyip Erdogan für viele nun überraschend.

Im Mai dieses Jahres sprach Außenminister Wadephul davon, dass die Bundesregierung die weitere Annäherung der Türkei an die EU voll und ganz unterstütze. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Ressortchef Hakan Fidan in Berlin brachte Wadephul seine Überzeugung zum Ausdruck, dass „die Türkei, wenn sie der Europäischen Union beitreten will, ein freundlicher und verlässlicher Partner für Deutschland sein wird“. Nur drei Monate später ist klar, dass Wadephuls Wunsch noch lange nicht in Erfüllung geht.

Erdogan: Die EU wird der Verlierer sein
„Die Europäische Union hat für uns keine Priorität.“ Mit diesen wenigen, einfachen Worten, die Präsident Erdogan gegenüber dem Sender Al Jazeera äußerte, macht er den Hoffnungen derjenigen einen Strich durch die Rechnung, die glaubten, die Türkei würde ernsthafte Anstrengungen unternehmen, um alle Anforderungen der EU zu erfüllen. Wie Präsident Erdogan deutlich macht, wäre aus seiner Sicht die EU der Verlierer, sollte sie die Türkei weiterhin ablehnen.

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Türkei – wie Wadephul erklärt – ein wertvoller Partner wäre. Ihr Beitritt würde Europas diplomatischen Einfluss im Nahen Osten, im Kaukasus und in der Schwarzmeerregion erheblich stärken. Darüber hinaus könnte die enorme Truppenstärke der Türkei – zahlenmäßig die zweitgrößte in der NATO nach den Vereinigten Staaten – dazu beitragen, die Sicherheit Europas entscheidend zu stärken.

Erdogan hat ein weiteres Ass im Ärmel
Für die Türkei würde eine EU-Mitgliedschaft einen leichteren Zugang zum großen europäischen Markt mit niedrigeren Zöllen bedeuten, was Produktion und Exporte ankurbeln würde. Zudem bestünde die Chance, dass westliche Unternehmen verstärkt in der Türkei investieren, was die Gesamtproduktivität steigern und neue Arbeitsplätze schaffen würde. Auch der Zugang zu EU-Fördermitteln wäre dann möglich.

Insgesamt ist Präsident Erdogan jedoch der Ansicht, dass militärische und diplomatische Vorteile sehr deutlich für die Türkei sprechen. Der türkische Präsident hat zudem noch ein weiteres Ass im Ärmel: Die geografische Lage der Türkei fungiert als natürliche Brücke zu den gas- und ölreichen Feldern im Kaspischen Becken und in Zentralasien – ein leichterer Zugang zu diesen Lieferanten würde die Energiesicherheit der EU erheblich stärken, indem ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten verringert würde.

Auf der anderen Seite hingegen wiegt der Grund, warum der EU-Beitritt der Türkei schon so lange auf Eis liegt, nach wie vor schwer: Wie RND berichtet, bestehen unter Experten weiterhin Bedenken hinsichtlich der Fortschritte der Türkei in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte. Das derzeitige Verfahren gegen den ehemaligen Istanbuler Bürgermeister und Erdogan-Rivalen Ekrem Imamoglu wird angesichts früherer Vorwürfe gegen die türkische Regierung sicherlich von vielen mit großem Interesse verfolgt werden. Ob Brüssel sich zu den Worten von Präsident Erdogan äußern wird, bleibt abzuwarten.

Foto: Recep Tayyip Erdogan (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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  • Typisch Deutschland, vor Jahren war man noch ein Gegner eines EU BEITRITT DER TÜRKEI.
    Jetzt wo ein Angriff der Russen erfolgen könnte sind sie plötzlich dafür. Welch überraschende Wende.
    Die NATO ist ohne der Türkei eine Lachnummer für Russland. Ganz ehrlich vertrauen kann ich diesen Deutschen nicht, zu dem dieser Typ ein ausgesprochener Kriegstreiber ist.

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