Verlegerin Julia Becker attackiert Plattform- und KI-Konzerne

Die Verlegerin Julia Becker attackiert globale Konzerne wie Google oder OpenAI dafür, die Existenz klassischer Medien zu gefährden. „Große Plattform- und KI-Konzerne profitieren von journalistischer Leistung, ohne in deren Entstehung vergleichbar zu investieren“, schreibt Becker in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“. „Sie externalisieren Kosten für Recherche, Qualität und Verifikation, internalisieren aber die Gewinne.“

Die Verlegerin der Funke-Mediengruppe warnt: „Ökonomisch mag das effizient erscheinen. Demokratisch ist es brandgefährlich.“ Wenn professioneller Journalismus seine wirtschaftliche Basis verliere, werde er ersetzt, mahnt Becker, „durch billigere Inhalte, lautere Inhalte und Inhalte, die nicht der Wahrheit verpflichtet sind, sondern ausschließlich maximaler Wirkung.“

Journalistische Medien sind aus Beckers Sicht daher keine Marktteilnehmer unter vielen: „Sie sind demokratische Infrastruktur. Sie sind die vierte Gewalt – nicht, weil sie regieren, sondern weil sie Macht sichtbar machen, kontrollieren und einordnen. Weil sie Fragen stellen, wenn andere schweigen. Weil sie Öffentlichkeit herstellen, auch dort, wo es unbequem wird. Diese Funktion steht massiv unter Druck. Denn die Macht über öffentliche Sichtbarkeit liegt nicht mehr primär bei Redaktionen, sondern bei wenigen globalen Plattformkonzernen: Meta, Alphabet, ByteDance. Sie kontrollieren nicht Inhalte, aber Reichweite. Und Reichweite ist Macht.“

Ein Blick in die USA zeige, wohin das führen kann, so Becker weiter. „Dort ist Vertrauen in Medien entlang politischer Linien zerbrochen. Für viele existiert keine gemeinsame Faktenbasis mehr. Ohne gemeinsame Wirklichkeit wird Demokratie fragil. Europa ist davor nicht geschützt.“ Unternehmen wie OpenAI oder Google entwickeln Systeme, die „Inhalte neu zusammensetzen und erzeugen“, schreibt Becker in dem Gastbeitrag im „Focus“. „Technologisch ist das beeindruckend. Demokratisch und ökonomisch wirft es fundamentale Fragen auf. Denn diese Systeme basieren auf journalistischer Arbeit, auf Recherchen, Archiven und Informationen, die Redaktionen und Verlage über Jahrzehnte aufgebaut haben. Gleichzeitig führen sie Nutzer immer seltener zurück zu den ursprünglichen Quellen.“

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Funke-Mediengruppe fordert daher „faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Raum“: „Plattformen müssen für die Nutzung journalistischer Inhalte angemessen zahlen – verbindlich, nicht freiwillig. Eine Digitalabgabe wäre keine Strafe, sondern eine notwendige Korrektur.“ Zudem verlangt sie klare Regeln für KI: „Transparenz über Quellen, Schutz geistigen Eigentums und Beteiligung an der Wertschöpfung. Journalistische Arbeit darf nicht dauerhaft kostenloses Trainingsmaterial sein.“

dts Nachrichtenagentur

Foto: Computer-Nutzerin auf Facebook (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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