

Der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat ein verstärktes Bemühen europäischer Staaten für die Beendigung des Ukraine-Kriegs gefordert. „Es ist unrealistisch zu glauben, dass der Krieg allein auf dem Schlachtfeld entschieden wird. Umso wichtiger ist es, mit einer eigenständigen europäischen Stimme präsent zu sein“, sagte Mützenich den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.
Er sehe bei Russlands Präsident Wladimir Putin zwar wenig Bereitschaft für Verhandlungen. „Zurzeit gibt es wohl kein richtiges Fenster für Diplomatie“, so der SPD-Politiker weiter. Aber es sei gut, wenn Europa zeige, dass es bereit sei für Gespräche. Deswegen sei das Treffen von Außenminister Johann Wadephul mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow „richtig und mutig“ gewesen. Wenn das Treffen, „wenn schon nicht kurzfristig, später etwas bewirkt, dann hat es sich ja gelohnt“. Gut wäre, wenn aus diesem Treffen „eine europäische Initiative hervorginge“, sagte Mützenich.
Der Außenpolitik-Experte drängte zudem auf effektiven Mitteleinsatz bei Rüstungsprojekten und warnte vor Kürzungen im Entwicklungsetat. Der Angriff Russlands auf die Ukraine habe deutlich gemacht, dass Europa in der Lage sein müsse, sich selbst zu verteidigen, sagte er. „Dafür sind mehr Investitionen in unsere Sicherheit und militärischen Fähigkeiten unerlässlich. Wichtig ist aber, dass das Geld wirksam eingesetzt wird und die Bundeswehr die Fähigkeiten erhält, die sie für ihre defensiven Aufgaben tatsächlich benötigt“, so der frühere SPD-Fraktionschef. Nötig sei hier auch eine stärke europäische Abstimmung. „Gleichzeitig ist es natürlich kontraproduktiv, in diesen Zeiten das Geld für humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und den Klimaschutz zusammenzustreichen. Eine vorausschauende Sicherheitspolitik muss auch die Ursachen von Krisen und Kriegen in den Blick nehmen“, sagte Mützenich den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.
dts Nachrichtenagentur
Foto: Rolf Mützenich (Archiv), via dts Nachrichtenagentur