Zahlreiche Kündigungen: Deutsches Traditionsunternehmen geht pleite

Massen-Kündigung nach Firmenpleite: Das beliebte Traditionsunternehmen DreiMeister aus Werl konnte keinen Investor finden und muss daher alle Mitarbeiter entlassen.

Erst im Mai hatte der Schokoladen- und Pralinenhersteller DreiMeister aus Werl in Nordrhein-Westfalen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen müssen – wir haben berichtet. Jetzt ist das bittere Aus für die traditionsreiche Schokoladenmanufaktur besiegelt.

Mitarbeiter bereits gekündigt
Jetzt ist es also fix: Das Werk wird geschlossen. Bei einer Betriebsversammlung am 1. Juli wurden alle verbliebenen Mitarbeiter gekündigt. „Trotz intensiver Bemühungen hat niemand ein konkret umsetzbares Angebot für einen Einstieg oder die Übernahme des Unternehmens abgegeben“, so Insolvenzverwalter Michael Schütte zu BILD.

Direkt in die Arbeitslosigkeit
Mit der Insolvenzmasse können die Gehälter der 101 Mitarbeiter während der Kündigungsfrist nicht bezahlt werden. Daher haben alle Betroffenen vom ersten Tag an Anspruch auf Arbeitslosengeld. „Mitarbeiter der Agentur für Arbeit waren deshalb bereits bei der Betriebsversammlung vor Ort und halfen den Angestellten bei den notwendigen Formalitäten. So musste wenigstens nicht jeder Einzelne noch zum Arbeitsamt“, führt Schütte aus.

Umsätze waren nicht abschätzbar
Wie der Insolvenzverwalter sagt, wäre es selbst für interessierte Investoren kaum möglich gewesen, die Zukunft des Schokoladen- und Pralinenherstellers realistisch einzuschätzen. Niemand hätte gewusst, welche Kunden und Lieferanten nach der Insolvenz überhaupt erhalten geblieben wären. „Damit fehlte die Grundlage, um die künftigen Umsätze verlässlich zu kalkulieren“, so der Wirtschaftsjurist.

Erschwerende Umstände
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die letztlich überhandnehmen sollten, waren vielfältig und reichen laut Schütte schon mehrere Jahre zurück. Kunden hätten selbst Insolvenz angemeldet. Dazu kamen stark gestiegene Rohstoffpreise und Ernteausfälle, die das Unternehmen erheblich belasteten.

Geschäftsführer Markus Luckey hegte trotz alledem Expansionspläne und wollte DreiMeister breiter aufstellen, um neben den hochpreisigen Pralinen auch günstigere Produktlinien einzuführen. Die Investitionen, die dafür zu tätigen waren, fielen allerdings genau in die Zeit der Corona-Pandemie, des Ukraine-Krieges und der Energiekrise. Dadurch explodierten die Kosten.

Belegschaft war sehr loyal
In der Belegschaft ist die Bestürzung groß. Denn viele arbeiteten seit Jahren, manche sogar seit Jahrzehnten im Haus. Der Insolvenzverwalter dazu: „In der Belegschaft war ein starker Zusammenhalt untereinander zu spüren und eine Loyalität gegenüber dem Unternehmen.“ 

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Martin Beier