Verbraucher können bald spottbilligen Strom mit gelegentlichen Blackouts kaufen

Das Stromnetz gehört zum wichtigsten Teil der Infrastruktur eines Landes, und in Deutschland erwarten Forscher, dass der Aus- und Umbau des Netzes bis zum Jahr 2045 rund 650 Milliarden Euro kosten wird. Diese Kosten werden sowohl den Steuerzahlern als auch den Stromkunden mithilfe aller möglichen Steuern und Abgaben zu Lasten gelegt. Bei den Berechnungen für die ausgebaute Stromnetzinfrastruktur gehen die Energieversorger und die Bundesregierung davon aus, dass in Zukunft weit mehr Verbrauchsgüter wie Elektroautos sowie stromfressende Datacenter an das Netzwerk angeschlossen werden müssen. Jetzt kommt ein Stromversorger mit einer ungewöhnlichen Alternative zu den ständig steigenden Kosten: Verbrauchern sollte angeboten werden, sich mit einigen wenigen Blackouts zufriedenzustellen, um dafür aber deutlich billigeren Strom zu erhalten. 

Überteuerter und übereilter Stromnetzausbau 

Der Vorschlag kommt vom Geschäftsführer des britischen Energiekonzerns Octopus Energy, der auch in Deutschland mehr als eine Million Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgt. Greg Jackson, der Octopus Energy im Jahre 2014 gegründet hatte, warnt jetzt davor, dass sowohl europäische Regierungen als auch Netzwerkbetreiber gerade zu viele Ressourcen in Stromnetze investieren, die sich nicht nur im Nachhinein als unnötig erweisen könnten, sondern auch als hoffnungslos überteuert. Seiner Meinung nach entwickelt sich die Technik im Bereich mit rasender Geschwindigkeit und das zu einem weitaus billigeren Preis. Jacksons Meinung nach sollten europäische Regierungen und Stromnetzbetreiber weniger gestresst reagieren, sondern vielmehr alternative Lösungen in Betracht ziehen.  

Verbraucher sind willig

Dabei glaubt er, dass Verbraucher durchaus willig sind, gelegentlich einem kürzeren Stromausfall ausgesetzt zu werden, vorausgesetzt, die Stromrechnung würde 25 Prozent billiger ausfallen. Mit Möglichkeiten wie Powerbanks, mobilen Solarpanelen und Batterien sind viele Haushalte ohnehin so gut ausgerüstet, dass man weiter auf Laptops und Handys arbeiten kann, obwohl der Strom aus der Steckdose kurzzeitig nicht verfügbar ist. Dabei sind jetzt sogar Batterien mit hoher Speicherkapazität erhältlich, die medizinische Ausrüstung wie Atemgeräte versorgen. Jacksons Kommentare zu den überteuerten Stromnetzausbauten kamen am Jahrestag des massiven spanischen Blackouts, bei dem große Teile der iberischen Halbinsel für mehr als zwölf Stunden ohne Strom dastanden.  Mittlerweile habe sich die Stromlage in Spanien stabilisiert und das Stromnetz werde fast ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt. Dabei gehören spanische Haushalte jetzt zu denjenigen in Europa, die die billigsten Stromrechnungen erhalten. 

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Alexander Grünstedt