

Im US-amerikanischen Abgeordnetenhaus fand gerade eine Krisensitzung statt, bei der das Verteidigungsministerium und einer der größten Waffenhersteller in den USA darüber informieren mussten, dass mehrere Teile des neuentwickelten F‑35-Tarnkappen-Jets auf unergründliche Abwege geraten sind. Die vermissten Teile für den unter strengster Geheimhaltung zusammengebauten Jet wurden ausgerechnet in Hongkong zuletzt gesehen, nachdem der Versand auf mysteriöse Weise dorthin umdirigiert wurde. Die Teile waren auf dem Weg von Australien, das jetzt der „unglaublichen Dummheit“ beschuldigt wird.
Spurlos verschwunden
Der F-35-Jet wurde zwar von dem US-amerikanischen Rüstungskonzern Lockheed Martin entwickelt, die Manufaktur der Superwaffe wird allerdings in Fabriken in der ganzen Welt vorgenommen. Besonders australische Metallhersteller sind am Bau des Tarnkappenjets beteiligt und aus mehr als 700 Fabriken auf dem Kontinent werden regelmäßig Bestandteile in die USA für den endgültigen Zusammenbau verschickt. Der Versand der sensitiven Teile geht normalerweise unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vonstatten. Dennoch wurde eine Versendung auf bisher unerklärliche Weise umetikettiert und gelang anstelle von einer Adresse in den Vereinigten Staaten auf einen Versandumschlageplatz im chinesischen Hongkong. Die Teile wurden bereits im Juni abgeschickt, aber seit der Ankunft in Hongkong ist die Ladung spurlos verschwunden.
Ein Akt unglaublicher Unfähigkeit
In Australien hat der Vorfall verständlicherweise zu enormer Empörung gesorgt. Der australische Verteidigungsminister Richard Marles versucht gerade, die Wogen zu glätten, und behauptet, dass keines der abhandengekommenen Teile „von hochsensitiver Natur“ wäre. Aus Rüstungskreisen kommt jedoch scharfe Kritik. „Das ist ein Akt unglaublicher Unfähigkeit und Dummheit, und daher nutzen die Chinesen vielmehr einen unglaublichen Glücksfall aus, den ihnen die Dummheit der Beteiligten beschert hat“, sagt der Direktor von Strategic Analysis Australia und Spionage-Experte Michael Shoebridge und weist darauf hin, dass die gesamte F-35-Flotte jetzt für Gegner angreifbar sei. „Es handelt sich also nicht nur um eine Angelegenheit zwischen den USA und Australien. Jeder Betreiber des F‑35-Programms hat ein Interesse daran, zu verstehen, was passiert ist und welche Risiken möglicherweise entstanden sind.“ Unter den genannten Betroffenen ist auch die Bundeswehr, die 35 der F-35-Tarnkappen-Jets bestellt hat.