Trotz Ausweisung: Botschafter will nicht gehen

Diplomaten und insbesondere Botschafter haben eine besondere Stellung in dem Land, in das sie verschickt wurden. Während sie sich zwar im Ausland aufhalten, werden die Botschaft und der Grund, auf dem sie steht, als Eigentum des Landes betrachtet, das sie vertreten. Wenn es zu einem Eklat zwischen zwei Ländern kommt, werden die Botschafter in der Regel einberufen, um Beschwerden, Kritik oder gar Ausweisungen aus dem Gastland entgegenzunehmen.

In der Regel werden diese Landesverweise auch beachtet. Der Krieg im Iran hat besonders die iranischen Botschafter in vielen Ländern auf Trab gehalten. Ein Land ist jetzt so weit gegangen, den iranischen Botschafter aus dem Land zu weisen. Der weigert sich allerdings jetzt, zu gehen. 

Iraner beißen sich fest 

Im Krieg gegen den Iran leidet der Libanon besonders stark unter Angriffen aus Israel. Die israelische Regierung beschuldigt das Land, die Iran-treue Miliz Hisbollah nicht nur zu dulden, sondern auch zu unterstützen. Hisbollah hat in der Vergangenheit regelmäßig Israel vom benachbarten Libanon angegriffen und das israelische Militär hat seit Beginn des augenblicklichen Konflikts im Nahen Osten den Libanon in seine Raketenangriffe einbezogen. Millionen Libanesen sind jetzt auf der Flucht und die libanesische Hauptstadt Beirut liegt in Trümmern. Die Regierung im Libanon, die eine Unterstützung der Hisbollah immer bestritten hat, will sich jetzt aus der Gefahrenzone der Angriffe aus Israel herausziehen. Aus diesem Grund wurde in der vergangenen Woche der iranischer Botschafter Mohammed Resa Scheibani des Landes verwiesen. Zum Erstaunen aller hat das iranische Außenministerium jetzt bekannt gegeben, dass man sich weigere, den Botschafter aus Beirut abzuziehen. 

Frist abgelaufen 

In einer Mitteilung des libanesischen Außenministeriums an den Iran heißt es, dass der Botschafter als Persona non grata betrachtet wird, weil er „in die Innenpolitik des Libanon eingreift“. Scheibani wurde eine Frist bis zum vergangenen Sonntag gegeben, um den Libanon zu verlassen. Stattdessen trat der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai vor die laufenden Kameras und annoncierte: „Unsere Botschaft im Libanon ist aktiv. Unser Botschafter wird – im Anschluss an die Äußerungen der zuständigen libanesischen Stellen und die getroffenen Schlussfolgerungen – seine Mission in Beirut fortsetzen und befindet sich nach wie vor dort.“ Eine Begründung für den iranischen Widerstand gab er nicht. Während die Regierung im Libanon noch darüber grübelt, wie man sich gegenüber dieser Pattsituation verhalten soll, kamen schon die ersten scharfen Kommentare aus Israel. „Heute Morgen trinkt der iranische Botschafter in Beirut seinen Kaffee und verspottet das ‚Gastland‘“, sagte der israelische Außenminister Gideon Sa’ar am Montag auf der Social-Media-Plattform X. „Der Libanon ist ein Scheinland, das faktisch vom Iran besetzt ist.“ 

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Alexander Grünstedt