

Wenn die großen Ferien kommen, zieht es die Deutschen immer noch in südliche Gefilde, um so viel Sonne wie möglich aufzuschnappen. Neuerliche Entwicklungen und die gravierenden Folgen des Klimawandels führen aber zunehmend zu einem Umdenken in der Tourismusbranche. Brennende Wälder, lebensgefährliche Temperaturen und obendrein lautstarke Demonstrationen der Einheimischen gegen Übertourismus beeinträchtigen die Urlaubsfreude und trüben den Aufenthalt in traditionellen Tourismushochburgen wie Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und der Türkei. Im Ausland sieht man sich deshalb seit geraumer Zeit nach neuen Trend-Destinationen um, und Deutschland gerät hier zunehmend in den Fokus der globalen Reiseveranstalter.
Ansturm aus Asien
Nicht nur wird Deutschland im Ausland als besonders sicher betrachtet, sondern die klimatischen Verhältnisse hierzulande bewegen sich immer noch im erträglichen Raum und die Lebenshaltungskosten werden als einigermaßen erschwinglich angesehen. Besonders in einer Nation zeigen sich die Einwohner von Deutschland besonders angetan. Nach einer massiven Charmeoffensive der deutschen Botschaft in Indien und der Revitalisierung der Deutschen Zentrale für Tourismus in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi zeigen sich die Inder angetan von deutscher Kultur, Gastronomie und Landschaft. Eine Million indische Touristen werden in diesem Jahr in Deutschland erwartet, und nächstes Jahr könnten es noch mehr werden. Während der deutsche Tourismusverband sich über den rasanten Anstieg freuen kann, zeigen Verhältnisse aus dem Ausland, dass Massentourismus besonders schlimme Schattenseiten für die Lokalbevölkerung mit sich bringen kann.
Tourismus kommt mit Problemen
Laut Angaben des Statistischen Bundesamts erhöhen sich die Buchungen in deutschen Unterkünften jedes Jahr um weit mehr als zehn Prozent. Die meisten Buchungen werden online auf Reiseportalen wie Airbnb, booking.com oder Expedia getätigt. Mit dem zunehmenden Bedarf an Ferienwohnungen verringert sich der Anteil an Wohnungen, die für Einheimische zu erschwinglichen Mieten erhältlich sind. Hinzukommen Belastungen durch erhöhte Besucherzahlen in Innenstädten, an Sehenswürdigkeiten und sogar in der Natur. In herkömmlichen Touristenhochburgen auf den Balearen und in spanischen Großstädten haben diese Verhältnisse bereits zu großem Unmut unter der Bevölkerung und massiven Demonstrationen gegen den Tourismus geführt. Auch deutsche Großstädte wie München oder Berlin leiden bereits unter einer enormen Wohnungsknappheit und unbezahlbaren Mieten. Mit einer Welle von Touristen in Deutschland könnte sich das Problem bundesweit auf weitere Städte, Kreise und Gemeinden ausweiten.