

Ein schwarzer Tag für die Sparkassen: Es hat sich eine äußerst besorgniserregende Entwicklung vollzogen. Für Deutschlands beliebteste Bankengruppe ist ernsthafte Konkurrenz angetreten – und das ausgerechnet aus den Vereinigten Staaten.
Seit heute haben die etablierten deutschen Banken Gewissheit: Die größte Bank der Welt hat den Betrieb in Deutschland aufgenommen – und sie meint es ernst. Ihr Ziel: die Gewinnung zahlreicher Privatkunden. Faktoren wie Kundenzufriedenheit und Markenbekanntheit sollen dabei entscheidend sein. Dies will JP Morgan über seine Marke Chase erreichen.
Chase Bank kommt nach Deutschland
Das erste Angebot für Neukunden: Ein Tagesgeldkonto mit 4 Prozent Zinsen für 4 Monate und 2 Prozent Zinsen nach Ablauf des Aktionszeitraums. Wie das Vergleichsportal Verivox feststellt, bietet Chase damit den derzeit höchsten Zinssatz auf dem deutschen Markt. Zum Vergleich: Nur sehr wenige der 396 Sparkassen in diesem Land bieten derzeit einen Intro-Zinssatz von 3 Prozent oder mehr auf ihre Tagesgeldkonten an (in der Regel für 4 Monate), wobei viele weit darunter liegen, während der Standardzins bei den meisten Sparkassen meist unter 1 Prozent liegt. Für diejenigen, die eine bessere Rendite für ihr hart verdientes Geld erzielen möchten, wird das Angebot von Chase in der Tat sehr verlockend sein.
Auch die Sparkassen werden immer digitaler
Ein Vorteil der Sparkassen ist ihre lokale Präsenz. Physische Filialen, Mitarbeiter, mit denen man tatsächlich direkt sprechen kann. Doch hier haben sich die Sparkassen in den letzten Jahren dem gleichen Trend gebeugt wie so viele andere Banken in Deutschland: Die Filialen sind immer weniger geworden – allein seit 2020 wurde bundesweit rund ein Sechstel aller Sparkassen-Filialen geschlossen –, ebenso wie ihre Geldautomaten. Der Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung – weg von der persönlichen Interaktion.
Wird sich das für die Sparkassen rächen? Denn nun hält ein echter Riese des digitalen Bankwesens Einzug in Deutschland – eine ausgefeilte App, hocheffiziente Dienstleistungen, eine starke internationale Präsenz sowie höhere Zinsen werden sicherlich viele digitalaffine Verbraucher anlocken. In Großbritannien, wo die Bank 2021 ihr Debüt auf europäischem Boden feierte, hat Chase mittlerweile über 3 Millionen Kunden.
Müssen die Sparkassen ein neues Kapitel aufschlagen?
Daniel Llano Manibardo, Deutschland-Chef von Chase, sieht in der amerikanischen Herkunft der Bank kein Hindernis für potenzielle Kunden. Wie er dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ erklärte: „Wir verbinden das, was Kunden von einer Digitalbank erwarten, mit der Vertrauenswürdigkeit großer Banken.“
Für die Sparkassen muss daher neben ihrem Namen auch ihre lokale Präsenz als eine ihrer großen Stärken angesehen werden – die sie jedoch in den letzten Jahren zunehmend abgebaut haben. Könnte die Präsenz der Chase Bank von JP Morgan die Sparkassen dazu veranlassen, ihre lokalen Wurzeln wieder zu bekräftigen und gleichzeitig ihr digitales Angebot auszubauen? Ein Angebot mit höheren Zinsen auf Tagesgeldkonten würde von vielen Verbrauchern ebenfalls sehr begrüßt werden. Es bleibt nur abzuwarten und zu sehen, was passiert.