

Russland hat die unangenehme oder, abhängig davon, wo man steht, angenehme Angewohnheit, sich ihrer Landesoberhäupter zu entledigen. Interne Machtkämpfe, generelle Unzufriedenheit und in wenigen Fällen Unruhe in der Bevölkerung können plötzlich dafür sorgen, dass über Nacht eine neue Galionsfigur an der Spitze des russischen Staates steht. Zurzeit wundert man sich sowohl in Russland als auch außerhalb der Grenzen über den Verbleib von Wladimir Putin.
Seit dem 9. März wurde er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Gleichzeitig werden immer mehr kritische Stimmen innerhalb des russischen Systems, auch unter vorherigen Putin-Anhängern, laut, die nicht mit der für Russland eigenen Taktik von Fensterwürfen aus dem zehnten Stock oder Kopfschüssen in abgelegenen Waldstücken geahndet werden.
Nationales Internet-Verbot
Für die russische Bevölkerung ist es im Augenblick besonders schwierig, die Situation im eigenen Land zu ermessen. Seit mehreren Wochen herrscht im Land eine Internet- und Handysperre, die Kommunikation in Russland außerhalb der eigenen Nachbarschaft äußerst schwierig gestaltet. Russische Betriebe melden tägliche Umsatzausfälle in Milliardenhöhe, weil Zahlungsterminale ohne den Zugang zum digitalen Netz nicht funktionieren. Besonders wütend sind allerdings regimetreue Propagandisten, die aufgrund der Sperre ihre Blogs und ihre Präsenz auf sozialen Netzwerken beibehalten können. Einem der prominentesten Kreml-Loyalisten, Ilja Remeslo, platzte vor kurzem der Kragen. In einem besondersbwütenden Blogbeitrag verlangte er, dass Putin vor ein Kriegsgericht gestellt werden muss. Remeslo wurde zwar wenige Tage nach der Kritik in eine psychiatrische Anstalt zwangseingewiesen, aber immer mehr Stimmen aus dem oft vom Kreml bezahlten Umfeld beschweren sich zunehmend lauter. Dennoch kommt kein Gegenschlag von Putins Seite.
Putin hat Angst
Auch internationale Beobachter spekulieren über das plötzliche Verschwinden des einst so allgegenwärtigen russischen Staatsoberhaupts. Dabei wurde konstatiert, dass Putins Verschwindungsnummer ziemlich genau mit dem Beginn des Krieges gegen den Iran und dem Tod des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei zusammengefallen war. Dabei wurde bekannt, dass der israelische Geheimdienst schon seit Jahren die Bewegungen der obersten Mullahs im iranischen Regime durch Hacking von Verkehrskameras verfolgt hatte. Deshalb glaubt man, dass Putin sich bewusst aus der Öffentlichkeit heraushält, um ein ähnliches Schicksal durch ukrainische Angriffe zu umgehen. Gleichzeitig beginnen mit dem unerklärlichen Verschwinden die Spekulationen, wer eigentlich die Nachfolge Putins antreten soll. Gemäß Berichten von Kreml-Insidern hat nämlich der Machtkampf um die Nachfolge bereits vor vier Jahren begonnen, ohne dass sich bisher ein eindeutiger Gewinner herauskristallisiert hat.