Preisschock an der Tankstelle: Spritpreise knallen wieder in die Höhe

Autofahrer in Deutschland müssen erneut deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die verschärfte Lage im Iran-Konflikt treibt den Ölpreis nach oben und die höheren Kosten kommen inzwischen an den Zapfsäulen an. Für eine durchschnittliche Tankfüllung werden teilweise mehr als 115 Euro fällig.

Am Sonntag kostete ein Liter Superbenzin im bundesweiten Durchschnitt zeitweise 2,328 Euro. Für Super E10 wurden 2,274 Euro verlangt, während Diesel bei durchschnittlich 2,305 Euro pro Liter lag. Damit bewegen sich alle drei Kraftstoffsorten wieder deutlich oberhalb der Marke von zwei Euro.
Besonders deutlich zeigt sich der Preisanstieg beim Diesel. Innerhalb einer Woche legte der bundesweite Durchschnittspreis um 6,7 Cent pro Liter zu. Eine Tankfüllung mit 50 Litern kostet dadurch rund 3,35 Euro mehr als noch am vorherigen Sonntag.

Der Dieselpreis reagiert häufig stärker auf internationale Krisen und Engpässe als der Benzinpreis. Neben dem Rohölpreis spielen dabei auch die begrenzten Raffineriekapazitäten und die Verfügbarkeit bestimmter Kraftstoffprodukte eine Rolle. Die Margen für Diesel waren auf dem europäischen Markt zuletzt stark gestiegen.

Auslöser für die höheren Tankstellenpreise ist vor allem die erneute Unsicherheit auf den internationalen Energiemärkten. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich innerhalb einer Woche um mehr als 13 Prozent und kostete zuletzt rund 88 Dollar je Barrel.

Bereits nach der Ankündigung einer neuen US-Seeblockade gegen den Iran war der Brent-Preis an einem einzigen Handelstag um mehr als neun Prozent auf 83,30 Dollar gestiegen. Die Märkte befürchten, dass Öllieferungen aus der Golfregion ausfallen oder wichtige Transportrouten nur noch eingeschränkt genutzt werden können.

Besonders im Mittelpunkt steht die Straße von Hormus. Vor Beginn des Konflikts wurden durch diese Meerenge ungefähr 20 Prozent der weltweit täglich gehandelten Mengen an Öl und Flüssigerdgas transportiert. Schon kleinere Störungen können deshalb erhebliche Auswirkungen auf Preise, Lieferketten und Versicherungsgebühren haben.

Zusätzlich belastet Autofahrer das Ende des zeitlich begrenzten Tankrabatts. Bis zum 30. Juni war die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter reduziert worden. Seit dem 1. Juli gilt wieder der reguläre Steuersatz. Der ADAC hatte deshalb schon vor dem Auslaufen der Entlastung vor einem schnellen Preisanstieg gewarnt.
Der tägliche Preissprung um 12 Uhr macht die Entwicklung zwar berechenbarer, sorgt aber nicht automatisch für günstigeren Kraftstoff. Nach Angaben des ADAC sind die Preise kurz vor 12 Uhr häufig am niedrigsten. Danach steigen sie zunächst stark und sinken im weiteren Tagesverlauf langsam wieder.
Die Unterschiede innerhalb eines Tages können erheblich sein. Im Juni lagen zwischen dem durchschnittlichen Höchst- und Tiefstpreis rund 14,6 Cent je Liter bei E10 und sogar 18,4 Cent bei Diesel. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung kann die Wahl der Uhrzeit somit einen Unterschied von mehreren Euro ausmachen.

Der steigende Ölpreis trifft nicht nur Autofahrer. Auch Heizöl, Flugreisen, Transporte und die industrielle Produktion können teurer werden. Unternehmen könnten einen Teil ihrer höheren Energie- und Lieferkosten an die Verbraucher weitergeben.

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Jerry Heiniken