

Das Bundesgesundheitsministerium greift durch: Kein Zugang mehr zu lebenswichtigen Medikamenten wie bestimmten Penicillin-Präparaten bedeutet, dass strenge Vorgaben gelockert werden müssen. So soll der Engpass abgefedert werden.
Es gibt keinen Nachschub mehr von bestimmten Antibiotika – das Bundesgesundheitsministerium muss sich einschalten. Nun gelten neue Sonderregeln für bestimmte Penicillin-Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benzylpenicillin-Benzathin. Diese werden gespritzt und sind zum Beispiel für die Langzeitbehandlung von Streptokokken-Infektionen wichtig.
Manche Patienten darauf angewiesen
Da das Ministerium jetzt hochoffiziell einen Versorgungsmangel festgestellt hat, werden strenge Vorgaben gelockert, damit es unkomplizierter wird, auf importierte Medikamente aus dem Ausland zurückzugreifen. Andere Medikamente existieren zwar, diese sind aber häufig weniger wirksam. Bei Patienten mit hohem Rückfallrisiko oder zur Vorbeugung müssen es also unbedingt Depot-Penicilline sein, so das Ministerium.
Hinweise auf Mangel schon im Sommer
Die verbliebenen Bestände sind in Kürze allerdings vollständig aufgebraucht. „Damit sind jetzt die Voraussetzungen eines Versorgungsmangels eingetreten“, erklärt eine Sprecherin. Der Mangel zeichnet sich schon seit dem vergangenen Sommer ab. Damals gab es Hinweise, dass das einzige in Deutschland zugelassene Präparat schon ab dem ersten Quartal 2026 nicht mehr verfügbar sein könnte, weil es Verzögerungen nach Umstellungen in der Produktion gibt.
Ein Versorgungsmangel gilt als dramatischer als Lieferprobleme. Eine Unterbrechung der Auslieferung von mehr als zwei Wochen gilt schon als Engpass. Derzeit gibt es rund 550 davon bei etwa 100.000 zugelassenen Arzneimitteln.
Versorgung „überwiegend stabil“
Als eher kritisch gilt die Lage bei Cefuroxim, Clindamycin, Cotrimoxazol und Erythromycin. Insgesamt sei die Arzneimittelversorgung in Deutschland aber „überwiegend stabil“, so das Ministerium. Besonders bei Kindermedikamenten wie Fiebersenkern habe sich die Lage weitgehend entspannt.
Weniger Antibiotika verschrieben
Insgesamt werden übrigens weniger Antibiotika verschrieben. Seit dem Jahr 2010 gingen die Verordnungen von 559 pro 1000 Versicherten auf 426 im Jahr 2024, also um rund 24 Prozent zurück. Besonders stark in den Coronajahren. 2020 gab es 305, 2021 nur noch 277 Verordnungen pro 1000 Versicherte. Zum Vergleich: 2019 waren es 414.
Bei Kindern zwischen zwei und neun Jahren war der Rückgang am deutlichsten. In den Folgejahren stiegen sie jedoch wieder an. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren erhielten 2023 und 2024 öfter Antibiotika als vor der Pandemie, bei Kindern bis zu einem Jahr ging die Rate um etwa ein Fünftel zurück.