

Was auf den ersten Blick wie eine Phishing-E-Mail aussieht, ist in Wirklichkeit sehr ernst: Eine Nachricht, die Amazon-Kunden fürchten lässt, dass ihren Konten die Sperrung droht. Der Grund könnte nicht erstaunlicher sein: Sie hatten lediglich einen Service genutzt, den der Online-Handelsriese seinen Kunden zur Verfügung stellt. Leider gelten dabei strenge Regeln, die man leicht brechen kann, wenn man sie nicht kennt.
Deutschland ist der zweitgrößte Markt für Amazon – nur in den USA wird die Online-Plattform noch häufiger genutzt. Verbraucher suchen hier nach allem Möglichen, von Mode über Dekoration bis hin zu Elektrogeräten und Möbeln. Haben Sie schon einmal mehr Artikel bestellt, als Sie eigentlich wollten, einfach weil es einfacher ist, sich zu entscheiden, wenn man die Produkte tatsächlich sehen kann? Genau diese Praxis will Amazon nun eindämmen.
Amazon-Kunde erhält Warnung
„Uns ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit viele deiner Einkäufe zurückgegeben hast“, heißt es in einer E-Mail, die ein Amazon-Kunde laut einem Beitrag auf Reddit kürzlich erhalten hat. Er wird daraufhin aufgefordert, Produktbeschreibungen genauer zu lesen, um solche Rücksendungen in Zukunft zu vermeiden. Wie andere Reddit-Nutzer schnell bemerken, ist Amazon dafür bekannt, die Konten von Kunden zu sperren, die Artikel in Mengen zurücksenden, die als unangemessen empfunden werden. Schließlich bedeutet jede Rücksendung einen erhöhten Verwaltungsaufwand und Kosten für Amazon, da jeder zurückgesandte Artikel überprüft und wieder in den Lagerbestand aufgenommen werden muss.
Es ist nicht klar, wie viele zurückgesandte Artikel als unangemessene Menge gelten, aber Amazon-Kunden, die eine solche Benachrichtigung per E-Mail erhalten, sollten diese auf keinen Fall ignorieren und sich genau an die Anweisungen in der E-Mail halten, d. h., weniger Artikel bestellen, die sie wahrscheinlich zurücksenden werden.
Versandriese OTTO erklärt, warum Kundenkonten gesperrt werden
Amazon ist nicht die einzige Online-Shopping-Plattform, die eine solche Regel hat: OTTO spricht offen darüber auf seiner Website. In einem Beitrag vom 7. Januar erklärt der Versandriese, dass er sich das Recht vorbehält, eine „Bestellsperre“ für sogenannte „Hochretournierende“ zu verhängen.
Bei OTTO führen drei Phasen zu einer Sperre:
1) Kunden, die über einen längeren Zeitraum 90 % oder mehr ihrer Bestellungen zurücksenden, erhalten eine „Umweltmail“ – eine Warnung, dass ihr hohes Retourenverhalten aufgefallen ist, und eine Erinnerung daran, dass dieses Verhalten sehr schlecht für die Umwelt ist.
2) Wenn Kunden weiterhin unvermindert Artikel zurücksenden, schränkt OTTO ihre Zahlungsmöglichkeiten ein. Nur Vorauskasse, Kreditkarte und PayPal sind dann noch möglich. Der Kauf auf Rechnung wird gesperrt.
3) Wenn die bisherigen Maßnahmen keine Wirkung auf das Retourenverhalten des Kunden gezeigt haben, wird eine Bestellsperre verhängt, die laut OTTO einem „Kund*innenausschluss“ gleichkommt.
Ähnliche Maßnahmen bei Amazon?
Es ist wahrscheinlich, dass auch Amazon seinen Kunden mehrere Chancen geben wird, ihr Verhalten zu ändern. Mit ein wenig Sorgfalt – indem man Produktbeschreibungen genau liest oder dem Verkäufer vorab Fragen stellt – können Kunden jedoch sicherstellen, dass sie gar nicht erst in eine solche Situation geraten. Schließlich ist es, wie OTTO betont, auch zum Wohle der Umwelt, die Anzahl von Retouren gering zu halten.