

Trunkenheit am Steuer ist trotz Aufklärungsmaßnahmen immer noch ein gravierendes Problem, das jährlich zu beinahe 40 000 Unfällen führt, mit rund 3000 Toten. Im digitalen Zeitalter suchen deshalb sowohl Versicherungen und Gesetzgeber als auch Tech-Entwickler nach Lösungen, um die traurigen Zahlen zu reduzieren und den Straßenverkehr sicherer für alle Beteiligten zu machen. Gleichzeitig erhofft man sich, den Druck auf die Gerichtshöfe zu verringern, die aufgrund der hohen Anzahl von Delikten überbelastet sind.
Eine Maßnahme gegen diejenigen, die bereits wegen Alkohol- und Drogeneinfluss am Steuer aufgefallen sind, ist ein technologisches Testsystem, das mit der Zündung der Kraftfahrzeuge verbunden ist. Dabei müssen wegen Trunkenheit am Steuer verurteilte Autofahrer erst in ein Atemtestgerät blasen, bevor sie den Wagen überhaupt starten können. Zurzeit können allerdings rund 150 000 Autofahrer nicht losfahren, obwohl sie völlig nüchtern sind. Der Grund ist eine schwerwiegende Cyberattacke bei dem Hersteller der Atemtestgeräte.
Viele Haushalte betroffen
Das System wurde von dem amerikanischen Tech-Anbieter Intoxalock entwickelt und ist zurzeit in Hunderttausenden Kraftfahrzeugen in den Vereinigten Staaten eingebaut. Am 14. Im März in diesem Jahr sind Hacker in das System des Tech-Anbieters eingedrungen und haben es außer Gefecht gesetzt. Dabei wurde auch ein großer Teil der damit verbundenen Atemtestgeräte abgestellt. Das System muss alle zwei Monate kalibriert werden, aber gerade diese Kalibrierung kann aufgrund des Hackerangriffs nicht vorgenommen werden. Je länger die Situation anhält, desto mehr Autofahrer mit dem Intoxalock-System werden betroffen sein. Viele der Betroffenen berichten gerade von den enormen Problemen in ihrem täglichen Leben als Resultat der unvorhergesehenen Autosperre. Einige stehen sogar in Gefahr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.
Hersteller gibt keine Auskünfte
Der Hersteller hat mittlerweile keine Auskünfte darüber gegeben, wie lange die Situation anhalten wird. Außerdem weigert sich die Firma, nähere Auskünfte über die Art der Hackerattacke zu geben. Deshalb ist nicht bekannt, ob es sich um Ransomware handelt, die das System „gefangen hält“, bis die Firma ein Lösegeld gezahlt hat, oder ob es sich um einen Zugriff auf Nutzer- und Kundendaten handelt. In Deutschland ist ein ähnliches System der Firma Dräger weit verbreitet. Hierzulande wird das Interlock-System allerdings zumeist im Personen- und Gütertransport sowie auf Baustellen verwendet, um Busfahrer, Lkw-Fahrer und Führer von Kranen, Baggern und anderen Sonderfahrzeugen zu überprüfen. Nur in der Stadt Dresden wird gerade ein Pilotprojekt durchgeführt, bei dem alkoholauffällige Fahrer zwischen dem freiwilligen Atemtest im eigenen Fahrzeug oder einer Fahrzeugsperre wählen können.