

Seit mehr als einem Jahr hat die EU jeder Schikane des amerikanischen Präsidenten klein beigegeben und gekuscht. Unabhängig davon, ob es sich um Zölle, den Ukraine-Krieg oder die NATO gehandelt hat, sind die Europäer immer den Forderungen des umstrittenen US-amerikanischen Landesoberhaupts nachgekommen. Damit haben die Europäer die globale Macht des Amerikaners befestigt, obwohl er von vielen, auch aus den eigenen Reihen, zurzeit als psychisch krank bezeichnet wird. Jetzt nutzt die EU Trumps eigene Taktik von Erpressung und finanziellem Druck, um dem allmächtigen Amerikaner jedenfalls in Europa außer Gefecht zu setzen. Dabei handelt es sich um die für Trump ungemein wichtige Balkan-Pipeline, die von amerikanischen Scheinfirmen gebaut und betrieben werden soll. Ein großer Teil der Pipeline läuft durch Bosnien, und hier hat die EU ihre Chance für einen Schlag gegen Trump gesehen.
Milliardenschwere Verluste drohen
Die vom Machtkampf betroffene Pipeline soll russisches Gas und Öl in den Balkan transportieren. Der gesamte Westbalkan ist immer noch vollständig auf fossile Brennstoffe aus Russland angewiesen, will aber gleichzeitig auch dringend der EU beitreten. In einem Schreiben an die Regierung in Bosnien und Herzegowina haben jetzt Repräsentanten der EU darüber informiert, dass die Beitrittsverhandlungen, die schon weit fortgeschritten sind, mit sofortiger Wirkung einzustellen sind, sollte die Pipeline von einem Trump-nahen Unternehmen gebaut werden. Besonderen Anstoß nehmen die EU-Repraesentanten an der Tatsache, dass der Vertrag für den Bau der Pipeline gänzlich ohne ein öffentliches Ausschreiben einer Firma zugeschustert wurde, die noch niemals Bauvorgänge unternommen hatte. Dabei zeichnet sich das Unternehmen lediglich dadurch aus, dass es von Trumps Rechtsanwälten betrieben wird.
Zweite Schlappe innerhalb kürzester Zeit
Der Vertrag für die Pipeline war so wichtig für Trump, dass er sogar seinen Schwiegersohn Jared Kushner auf eine Besuchsrunde in den Balkan geschickt hat. Dies ist allerdings bereits das zweite Balkanprojekt der Trump-Familie, das ins Wasser fällt. Ein riesiger Hotelkomplex, der unter der Leitung von Kushner in Serbien aufgebaut werden sollte, musste aufgrund des massiven Widerstands der Bevölkerung, und gegen den ausdrücklichen Wunsch des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić, aufgegeben werden. Neben Bosnien stehen auch die anderen Balkanländer Serbien, Montenegro, Kosovo, Nordmazedonien und Albanien in Verhandlungen über eine Mitgliedschaft in der EU. Die Drohung seitens der EU gegen Bosnien wird international als ein Zeichen gesehen, dass Europa jetzt konkrete vorbeugende Maßnahmen gegen den Einfluss des ehemaligen Verbündeten USA vornimmt. Wer also der EU beitreten will, muss sich seine Seite gut aussuchen, denn Russland ist anscheinend nicht mehr der einzige Feind.