

Es geschah ohne Vorwarnung: Mitten in der Nacht wurden die Menschen aus dem Schlaf gerissen. Draußen bot sich ihnen ein Bild des Horrors: Nur 20 Meter entfernt wütete eine Flammenwand. Erneut ziehen Waldbrände durch Europa. In zwei beliebten Urlaubszielen wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen.
Bilder und Videos vom Ort des Geschehens zeigen Szenen wie aus einem Albtraum: Eine unaufhaltsame Flammenwand, die im Dunkeln über die Landschaft tobt und keinen Fluchtweg lässt. Für Besucher und Anwohner auf der kroatischen Insel Brač gab es nur noch eine Möglichkeit: die Flucht ins Meer.
Feuer breitete sich extrem schnell aus
Niemand hatte offenbar damit gerechnet, dass sich das Feuer so schnell ausbreiten würde: Wie ein Hotelgast gegenüber der Zeitung „The Independent“ schildert, wurde ihm in einem Moment noch gesagt, „alles sei in Ordnung“, er solle aber für alle Fälle seine Koffer packen. Als er etwa zehn Minuten später aus seinem Zimmer trat, „war das Feuer bereits ganz in der Nähe des Zimmers, vielleicht 20 oder 30 Meter entfernt“. Ein Paar floh auf einem Stand-up-Paddleboard ins Meer, um den Flammen zu entkommen. Andere schwammen hinaus, um von Booten gerettet zu werden.
Insgesamt wurden rund 500 Menschen evakuiert. Viele konnten nur mit den Kleidern am Leib fliehen.
In einer Erklärung der Ferienanlage heißt es: „Es handelte sich um einen außergewöhnlich schnell voranschreitenden Waldbrand, der durch sehr starke Winde angefacht wurde. In der gesamten Anlage fiel der Strom aus, dichter Rauch schränkte die Sicht stark ein und die Lage änderte sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch.“ Dies wurde vom Bürgermeister von Milna bestätigt, der den Waldbrand als „Katastrophe“ bezeichnete und hinzufügte, dass es „einfach unfassbar“ gewesen sei.
Anscheinend war das Feuer, das bereits seit dem 10. September wütete, bereits für gelöscht gehalten worden, flammte jedoch am späten Samstagabend plötzlich wieder auf. Starke Winde sorgten daraufhin für eine rasante Ausbreitung der Flammen. Nach Angaben der Behörden wurden schätzungsweise 3.500 Hektar durch das Feuer zerstört. Der Brand ist inzwischen unter Kontrolle gebracht worden, das Gebiet wird jedoch weiterhin überwacht.
Waldbrände auch an der Amalfiküste
Auch in Ferienanlagen entlang der Amalfiküste kam es zu Evakuierungen. Aus dem Gebiet zwischen Amalfi, Conca dei Marini und Agerola sowie aus Positano im Gebiet von Vico Equense werden große Brände gemeldet. Feuerwehr, Zivilschutz und Bodeneinsatzkräfte aus Neapel und Salerno sowie Löschflugzeuge sind im Einsatz, doch die vorherrschenden starken Winde sowie das unwegsame Gelände erschweren die Löscharbeiten erheblich.
„In elf Jahren habe ich so etwas noch nie gesehen. Ich weiß nicht, wer hinter diesen Bränden steckt, aber es handelt sich sicherlich nicht um Naturphänomene“, zitieren lokale Medien den Bürgermeister von Amalfi, Daniele Milano. Sobald die Brände unter Kontrolle sind, kann eine Untersuchung der Ursache beginnen.
Hinweis für Reisende
Reisenden, die in den kommenden Tagen einen Urlaub in einem der betroffenen Gebiete geplant haben, wird empfohlen, sich mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Unterkunft in Verbindung zu setzen, um zu überprüfen, dass alles wie geplant abläuft.