

Putin muss einen Sieg vorweisen, der ihm in der Ukraine bislang verwehrt geblieben ist. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass er ausgerechnet jetzt ein Land im Visier hat, das ein wichtiger Handelspartner Deutschlands und eine Art Erfolgsgeschichte für die EU ist.
Die Rede ist von Armenien: Direkt südlich von Russland gelegen, befindet sich dieses kleine Land in einer strategisch wichtigen Lage an der Grenze zu Georgien, der Türkei, Aserbaidschan und dem Iran. Zudem hat Armenien in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, sich von seiner Vergangenheit als Teil der ehemaligen Sowjetunion zu distanzieren. Deutschland ist sein wichtigster Handelspartner, und Armenien selbst hat sich immer mehr der EU angenähert. Kurz gesagt: Armenien hat Ambitionen, die in Putins Augen höchst unerwünscht sind.
Putin sieht Chancen in Armenien
Dem Kreml bietet sich jedoch eine Gelegenheit, das Blatt zu wenden: Armenien wieder in die eigene Sphäre zu holen und – möglicherweise – einen weiteren Partner wie Belarus zu gewinnen. In Armenien stehen nämlich im Juni Wahlen an, und ein Sieg eines russlandfreundlichen Gegners der derzeitigen Regierung würde alles verändern.
Und bereits in den letzten Monaten kam es immer wieder zu Aktionen, sowohl online als auch in Form von Protesten gegen den derzeitigen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und seine Partei „Civil Contract“. Nun ist ein Dokument aufgetaucht, das Russlands Pläne zur Beeinflussung der nächsten Wahl detailliert belegt.
Russlands Maßnahmen zur Wahlbeeinflussung fliegen auf
Am gestrigen Sonntag mag die Parade zum Tag des Sieges in Moskau zwar auffallend abgespeckt gewesen sein, doch ist bekannt, dass militärische Ausrüstung nicht die einzige Waffe ist, mit der Russland kämpft. Und seine Aktivitäten in Armenien belegen dies. Das Dokument, über das zuerst das schwedische Magazin „Blankspot“ berichtete, beschreibt detailliert Russlands Maßnahmen, um die Unterstützung für die derzeitige Regierung im Land zu schwächen:
– Eine Ausweitung der Reichweite pro-russischer Inhalte in sozialen Medien wie YouTube, Facebook, TikTok und Instagram
– Eine Zunahme der Anzahl regierungsfeindlicher Influencer im Internet.
– Gleichzeitig die Unterstützung der Online-Präsenz von Oppositionskandidaten.
– Darüber hinaus sollen in den sozialen Medien „False-Flag“-Kampagnen sowie koordinierte Kommentarakionen gegen Mitglieder der Partei „Civil Contract“ stattfinden.
Das Dokument, das den Titel „Programm für die Arbeit in der Anti-Paschinjan-Richtung für 2026“ trägt, scheint darauf ausgelegt zu sein, Misstrauen, Polarisierung und politische Resignation zu verbreiten. Es soll bei einem Hackerangriff vom Computer einer Person aus dem Umfeld russischer Geheimdienste erbeutet worden sein. Dieser Mann soll an mehreren Veranstaltungen in Armenien teilgenommen haben, bei denen er sich wiederholt öffentlich gegen die Annäherung des Landes an den Westen aussprach.
Wie der schwedische Sicherheitsexperte Patrik Oksanen gegenüber „Blankspot“ bestätigte, passt das Muster des Dokuments gut zu dem, was über russische Einflussoperationen bekannt ist.
Armenien wählt am 7. Juni
Bereits Ende 2025 bat Armenien die EU um Hilfe bei der Bekämpfung potenzieller russischer Einflussnahme. Bislang liegen Paschinjans Partei „Civil Contract“ in Umfragen noch vor der Partei „Starkes Armenien“ des russisch-armenischen Unternehmers Samwel Karapetjan. Die Parlamentswahlen in Armenien finden am 7. Juni statt.
Foto: Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons