

Die einheimischen Tiere haben es nicht leicht in Deutschland. Der Klimawandel und die damit verbundenen Hitzewellen und Naturkatastrophen machen auch dem Tierreich zu schaffen, und für unsere heiß geliebten Vögel wird die Situation jetzt durch einen aggressiven Einwanderer prekärer. Ornithologen haben im Laufe der letzten Jahre eine Invasion von Halsbandsittichen (Psittacula krameri) bemerkt, und während es von mehreren einheimischen Vögeln immer weniger Sichtungen gibt, nimmt die Anzahl von Nistpaaren der Papageienart katastrophale Ausmaße an. Besonders schlimm betroffen sind Spechte und Stare, aber auch andere Vogelarten können bald von den grünen Exoten verdrängt werden.
Ursprünglich aus Afrika
Halsbandsittiche haben ihren Ursprung in den Savannen und Wäldern in der Sahel-Zone südlich der Sahara. Die Papageienart wurde massenweise als Haustier nach Europa exportiert, und da sie nicht zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehört, wurde der Einfuhr keine Grenze gesetzt. In der Zwischenzeit haben die Vögel einen Hang dazu, ihren Käfigen zu entfliehen und sich in deutschen Wäldern niederzulassen. Die höheren Temperaturen aufgrund des Klimawandels haben es den Vögeln leichtgemacht, sich an deutsche Verhältnisse anzupassen. Mit einem äußerst aggressiven Verhalten gelingt es ihnen, sich auszubreiten und den einheimischen Vogelarten die besten Nistplätze wegzunehmen. Wer keinen Nistplatz hat, kann sich nicht vermehren, und die Bestände an Staren und Spechten nähern sich einer gefährlichen unteren Grenze.
Auch Bauern und Hauseigentümer betroffen
Bereits im Jahre 1969 wurde das erste Halskettensittichpaar in der Nähe von Köln gesichtet. Am schlimmsten betroffen von der Papageien-Invasion ist jedoch zurzeit das Rhein-Main-Gebiet und insbesondere die Stadt Wiesbaden, wo bisher rund 5000 der Exoten gezählt wurden. Mittlerweile ziehen die Vögel auch zunehmend nach Osten und sowohl Sachsen als auch Berlin haben einen Anstieg der Halskettensittich-Population verzeichnet. Die einheimischen Vogelarten sind aber nicht die einzigen, die unter den Eindringlingen leiden. Bauern beschweren sich zunehmend über Fraßschäden an Früchten und berichten von regelrechten Papageien-Schwärmen, die die Obstbäume angreifen. Auch Hausbesitzer sind wenig von der exotischen Invasion begeistert. Die Vögel haben eine Vorliebe für Hausfassaden und hacken gerne den Putz heraus, um danach einzuziehen. Natürliche Feinde der Vögel konnten hierzulande nicht ausfindig gemacht werden, und in Wiesbaden diskutieren die Behörden zurzeit, welche Maßnahmen gegen die unerwünschten Einwanderer unternommen werden können.