

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hält seit 2014 die Welt in Atem und zwingt immer mehr Länder dazu, Stellung zu nehmen. In einer „Achse des Bösen“ haben dabei Nationen mit autoritären Regimen, darunter China, Nordkorea und der Iran, sich deutlich auf die Seite Russlands gestellt, während die westlichen Mächte, insbesondere Europa, die demokratischen Werte der Ukraine bevorzugen. Gleichzeitig bietet der Ukraine-Krieg beiden Seiten die Möglichkeit, ihre bisher ungetesteten Waffen in einem echten Kampfszenario auszuprobieren. Das hat jetzt auch Japan erkannt, und die technologische Überlegenheit des asiatischen Landes könnte genau das bieten, was die Ukraine zurzeit am Dringendsten benötigt.
Luftabwehr zum Spottpreis
Zu den wichtigsten Faktoren für die Ukrainer gehören die Kosten, die der Krieg mit sich führt. Nachdem die Vereinigten Staaten unter Trump zunehmend den Geldhahn zudrehten, musste das ukrainische Militär nach billigeren Lösungen suchen, um die russischen Truppen in Schach zu halten und gleichzeitig die Ukraine vor Angriffen zu verteidigen. Aus der japanischen Rüstungsindustrie kamen deshalb Vorschläge, in Zusammenarbeit eine billige, aber höchst effektive Luftabwehr zu entwickeln. Dabei sollen die teuren Raketen mit Abfangdrohnen ersetzt werden, die zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten hergestellt werden können. Die Entwicklung des neuen Abwehrsystems kommt mit einer heftigen Investition der Japaner in die ukrainische Drohnenherstellung. Erste Einsätze haben sich als höchst zufriedenstellend erwiesen und Experten gehen davon aus, dass das ukrainisch-japanische Drohnenabwehrsystem globale Bedeutung weit über den Ukraine-Krieg hinaus haben wird.
Bedrohung aus Russland für viele Länder
Die Entwicklung eines billigen, aber wirksamen Luftabwehrsystems ist auch für Japan von Vorteil, weil sich das Land wie viele andere in Asien von Russland und China bedroht fühlt. Japan hat seit Jahrzehnten einen Gebietsstreit über die Kurileninseln, die von Russland besetzt sind, aber von Japan beansprucht werden. Die beiden Länder haben auch seit dem Zweiten Weltkrieg keinen Friedensvertrag unterschrieben und befinden sich technisch gesehen in einem Zustand des Waffenstillstands. Auch von China fühlt sich Japan bedroht, denn die Japaner sind im Besitz der Senkaku-Inseln in der unmittelbaren Nachbarschaft von Taiwan, die China für sich beansprucht. In beiden Fällen könnte sich ein erschwingliches Drohnenabwehrsystem als äußerst hilfreich erweisen. In der deutschen Rüstungsindustrie sieht man eher kritisch auf die Drohnen-Entwicklungen der Ukraine. Vor weniger als zwei Wochen spottete der Rheinmetall-Chef Armin Papperger noch über die ukrainischen „Hausfrauen“, die Drohnen „wie Legosteine am Küchentisch zusammenbasteln“. Die Aussagen Pappergers erhielten lautstarke internationale Kritik, weil die ukrainischen „Billigdrohnen“ bereits ihre Zuverlässigkeit bewiesen hatten, im Gegensatz zu den von Rheinmetall hergestellten und hoffnungslos überteuerten Leopard-2-Panzern.