Ukraine gewinnt Kontrolle über das Schwarze Meer

Während die Welt auf die Straße von Hormus sieht, wo gerade die Amerikaner und Iraner sich eine Schlacht über den Zugang und die freie Durchfahrt liefern, bahnt sich für Russland eine ähnliche schwerwiegende Katastrophe an. Den Ukrainern ist es nämlich im Laufe der letzten paar Wochen gelungen, das Schwarze Meer an sich zu reißen. Dabei geht es nicht mehr nur um die Kontrolle über die Krim, sondern auch darum, Russland den Export von Waren zu verwehren, die bisher nicht von internationalen Sanktionen belegt wurden. Zurzeit bewegt sich kaum noch ein russisches Schiff durch das Asowsche Meer, das für den Getreideexport genauso wichtig ist wie die Straße von Hormus für das Öl. 

Akt der Piraterie 

Über das für Russland so bedeutende Binnenmeer wird rund ein Fünftel des globalen Weizenbestands transportiert und beträchtliche Mengen von Sonnenblumenöl. Jetzt schießen auf den internationalen Märkten die Preise für die beiden Produkte in die Höhe, denn kein russisches Schiff hat es in den letzten paar Tagen geschafft, an den ukrainischen Drohnen, die das Schwarze Meer bewachen, vorbeizukommen. Für Russland bedeutet der Exportstopp eine weitere Einbuße für die Staatskasse. Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete am Mittwoch die Aktion im Asowschen Meer als Terrorismus, der „sogar über Piraterie hinausgehe“. Entrüstet behauptet er: „Piraten rauben zumindest aus und behalten die Beute für sich. Hier hingegen gilt das Motto ‚weder für sich selbst noch für andere‘ – das Ziel besteht lediglich darin, Schaden anzurichten und einzuschüchtern. Das ist Terrorismus“, sagte er. 

Befreiung der Krim im Vordergrund  

Für die Ukraine bedeutet die Kontrolle über das Binnenmeer einen weiteren Schritt in Richtung Befreiung der Krim. Nicht nur war der russische Einmarsch auf der ukrainischen Halbinsel im Jahre 2014 der Auftakt zu dem Konflikt und offenen Krieg zwischen den beiden Ländern. Heutzutage ist die Krim der wichtigste militärische Stützpunkt der Russen, um Angriffe auf die Ukraine auszuüben. Erst im Laufe der letzten Wochen hat sich das Blatt gewendet, nachdem die Ukraine den Zugang zur Krim stark eingeschränkt und eine schwere Versorgungskrise unter der russischen Besatzungsmacht ausgelöst hat. In der Zwischenzeit haben auch die Russen ihre Angriffe auf die Ukraine erhöht und verstärkt die ukrainische Hafenstadt Odessa unter Beschuss genommen. 

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Alexander Grünstedt