

Neben Alkohol und Tabak gehört seit geraumer Zeit auch Zucker zu den größten deutschen Gesundheitsfeinden. Fettleibigkeit, Diabetes, Herzkrankheiten und Zahnverfall werden dem süßen Pflanzenextrakt zur Last gelegt.
Gerade liefern sich unzählige Politiker eine regelrechte Schlacht über die Einführung einer Zuckersteuer. Die Steuer soll durch eine erhebliche Preiserhöhung von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken abschrecken und nicht nur dabei behilflich sein, das marode Staatsbudget zu sanieren, sondern auch den Konsum dieser Art von Waren stark einschränken. Viele Verbraucher, die bereits etwas gegen ihren Zuckerkonsum unternehmen, greifen gerne zu Lebensmitteln und Verbrauchsgütern ohne die süße Last und begeben sich damit in Lebensgefahr. Jetzt warnen Forscher der Charité auf dem ESC-Ärztekongress in München eindringlich vor dem gängigsten Zuckerersatzstoff Xylit, der sich in unzähligen zuckerarmen oder –freien Nahrungsmitteln, Getränken oder Zahnpflegeprodukten befindet.
Langjährige Bedenken bekräftigt
Bedenken über den Gebrauch von Xylit bestehen schon seit längerer Zeit. Schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigungen konnten aber aufgrund von unzulänglichen Studien nicht bewiesen werden. Jetzt hat ein kanadisches Forschungsinstitut neue Zahlen veröffentlicht, nachdem mehr als 17 000 Patienten über einen Zeitraum von 30 Jahren beobachtet wurden. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen, die hohe Werte von Xylit im Blut hatten, weitaus öfter Herzkrankheiten und Schlaganfällen ausgesetzt wurden als diejenigen, die nur geringe oder keine Mengen des künstlichen Süßstoffes im Körper nachwiesen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Teilnehmer in der Patientengruppe an Vorerkrankungen gelitten haben, oder nicht. Für die erhöhte Gefahr von Herzinfarkten und Schlaganfällen war einzig der Xylit-Spiegel im Blut verantwortlich.
Auf zahnärztliche Empfehlung
Der chemische Stoff Xylit kommt natürlich im menschlichen Körper vor, wo er in winzigen Mengen produziert wird. Die Dosierung in industriell hergestellten Produkten wie Zahnpasta, Mundspülungen, Kaugummis oder Light-/Zero-Diätgetränken ist dagegen oft mehr als tausendfach höher. Mit der zunehmenden Kampagne gegen Zucker steigt auch der Einsatz von Xylit in der Lebensmittelverarbeitung. Europäische Gesundheitsbehörden haben bisher Xylit als sicher eingestuft und Zahnärzte sind sogar so weit gegangen, den Zusatzstoff im Einsatz gegen Karies und andere Zahnkrankheiten zu empfehlen. Die neuen Erkenntnisse sollen jedoch laut der Charité wichtige Impulse für eine zukünftige Neubewertung des Stoffes in der Nahrungsmittelherstellung geben.