Krankenkassen-Schock ab 2027: Medikamente teurer, Zahnersatz-Zuschuss sinkt, Familien zahlen drauf

Millionen Kassenpatienten müssen sich auf höhere Gesundheitskosten einstellen. Ab Januar 2027 steigen gesetzliche Zuzahlungen um 50 Prozent, gleichzeitig sinken die Zuschüsse für Zahnersatz. 2028 droht vielen Ehepaaren eine weitere Belastung. Verbraucherschützer schlagen Alarm und warnen vor erheblichen Mehrkosten.

Die Gesundheitsreform soll die gesetzlichen Krankenkassen finanziell stabilisieren und den Anstieg der Beiträge bremsen. Ein Teil der Rechnung wird jedoch direkt auf die gesetzlich Versicherten entfallen: Infolgedessen werden bereits in wenigen Monaten Millionen von Menschen tiefer in die Tasche greifen müssen.

Ab 2027: Patienten zahlen 50 Prozent mehr für Medikamente
Für verschreibungspflichtige Arzneimittel steigt die gesetzliche Zuzahlung von bislang mindestens fünf und höchstens zehn Euro auf 7,50 bis 15 Euro pro Medikament. Auch bei Krankenhausaufenthalten werden höhere Beträge fällig: Statt zehn Euro zahlen Patienten künftig 15 Euro pro Tag. Weitere Zuzahlungen, etwa für Heilmittel, Hilfsmittel und Reha-Leistungen, werden ebenfalls angehoben.

Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss oder mehrere Behandlungen benötigt, wird die Erhöhung also besonders deutlich im Geldbeutel spüren. Wenigstens bleiben die gesetzlichen Belastungsgrenzen bestehen: Die Grenze liegt weiterhin bei zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens, für chronisch Kranke bei einem Prozent.

Zahnersatz: Krankenkassen zahlen weniger dazu
Eine weitere Änderung könnte Patienten sehr teuer zu stehen kommen: Der Festzuschuss der Krankenkassen zur Regelversorgung beim Zahnersatz sinkt von 60 auf 50 Prozent. Nur mit einem lückenlos geführten Bonusheft bleiben Zuschüsse von 60 beziehungsweise 65 Prozent möglich (statt bislang 70 beziehungsweise 75 Prozent).

Die Folge: Wer eine Krone, Brücke oder Prothese benötigt, muss einen größeren Teil selbst finanzieren. Wie hoch die zusätzliche Belastung ausfällt, hängt von der Behandlung ab.

Der Geldratgeber Finanztip warnt vor höheren Eigenanteilen. Krankenversicherungsexpertin Anja Schlicht rät Menschen, die bereits eine größere Zahnbehandlung planen: „Wer ohnehin eine größere Zahnersatzbehandlung plant, sollte sie möglichst noch in diesem Jahr von der Krankenkasse bewilligen lassen.“

Ab 2028: Ehepartner zahlen mehr
Besonders einschneidend ist die geplante Einschränkung der beitragsfreien Familienversicherung. Bislang können Ehepartner unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos über den gesetzlich versicherten Partner mitversichert sein.

Ab 2028 soll für viele dieser bislang beitragsfrei versicherten Partner ein zusätzlicher Beitrag in Höhe von 2,5 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen des erwerbstätigen Ehepartners anfallen. Ausnahmen sollten aber für Partner, die Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr betreuen, sowie für bestimmte Pflegebedürftige und Menschen mit voller Erwerbsminderung gelten. Kinder bleiben weiterhin beitragsfrei mitversichert.

Für Familien mit nur einem Einkommen kann das bedeuten, dass monatlich weniger Geld zum Leben bleibt. Betroffene sollten rechtzeitig prüfen, ob eine Ausnahme für sie gilt und welche zusätzlichen Kosten entstehen könnten.

Was Kassenpatienten jetzt beachten sollten
Die Reform ist beschlossen, viele Änderungen greifen zum 1. Januar 2027. Die Bundesregierung will damit die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung sichern. Allerdings ist nicht jeder davon überzeugt, dass die Auswirkungen der Reform durchweg positiv sein werden. Wie Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands der Verbraucherorganisationen (vzbv), kritisiert: „Der stabile Beitragssatz ist Augenwischerei.“ Auch wenn die Beiträge nicht unmittelbar steigen, kämen auf Versicherte erhebliche Mehrkosten zu.

Es wird daher dringend empfohlen, dass Personen, die Medikamente benötigen oder einen Zahnersatz planen, sich frühzeitig bei ihrer Krankenkasse über die Auswirkungen der Änderungen informieren. Es kann sich sogar lohnen, einen Wechsel zu einer neuen Krankenkasse in Betracht zu ziehen, um das Angebot eines anderen Anbieters zu nutzen, falls dieses besser zu Ihren Bedürfnissen passt.

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